Biosphäre auf Rügen in Gefahr

Veröffentlicht am Dezember 22, 2009

Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, fordert für die Ostseeinsel Rügen einen Tourismus, der ein menschliches Maß einhält. Als er im Auftrag des Deutschen Nationalkomitees Biosphäre die Insel besichtigte, äußerte er sich besorgt über die starken Verkehrsströme und die Auswirkungen des Massentourismus. Zu viele Touristen würden den Verkehr und damit die Staus bedenklich ausweiten. Bei der Überprüfung der Biosphärenreservate in Deutschland überdenkt das Nationalkomitee die Aberkennung des begehrten Titels für Südostrügen. Mit einer Fläche von 10.000 Hektar bei einem nur zweiprozentigen Totalreservat-Anteil würden die Mindestanforderungen der UNESCO nicht erfüllt.

Indes verzeichnet die größte deutsche Insel weiterhin einen Bauboom. Mehrere internationale Investoren haben Rügen als Standort für ihre Hotelinvestitionen auserkoren. So will ein dänischer Investor in unmittelbarer Umgebung der Schlossruine Dwasieden eine neue Kurstadt errichten, die 2000 Betten aufweist. Ebenfalls im Raum Sassnitz möchte die in Berlin ansässige CPM Hotelgruppe den Besuchern der Ostseeinsel ein Haus mit 200 Betten zur Verfügung stellen. Eine neue Funktion soll auch der riesigen im Dritten Reich errichteten Anlage „Kraft durch Freude“ zuteil werden. Das in Prora gelegene Gebäude soll zu einer Wohnanlage für 3000 Personen umgebaut werden. In den Dreißiger Jahren planten die Nationalsozialisten, jeweils 20.000 Urlauber in Zehntagesschichten in dem riesigen Gebäude organisiert entspannen zu lassen. Gleich 124 Ferienwohnungen sollen in Alt Reddevitz von einem Investor aus dem Süden der Republik errichtet werden. Dass dabei auch wertvolles Kulturgut zerstört werden kann, zeigt der geplante Bau einiger exklusiver Wohnblocks mit Meeresblick in Middelhagen. Für das Investitionsobjekt wurde ein aus dem 18. Jahrhundert stammendes niederdeutsches Fischerhaus abgerissen.

Ralf Hots-Thomas, der Leiter der Tourismuszentrale auf Rügen, warnt eindringlich vor der Gefahr, die Umwelt der Ostseeinsel durch einen zu ungebremsten Tourismus zu sehr zu belasten. Denn die Branche lebe auf der Insel von der Natur.

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